Geschichte auf Scherben

Das Leben in der östlichen Wüste Ägyptens in römischer Zeit

herausgegeben von Patrick Reinard

Das Buch

Geschichte auf ScherbenDie Wüste lebt! Die östliche Wüste Ägyptens ist ein faszinierender Untersuchungsraum für die Geschichte der römischen Kaiserzeit, da sich von hier tausende von Scherben (gr. Ostraka) erhalten haben, die man als Beschreibstoff nutzte. Trotz der extremen klimatischen und topographischen Bedingungen war die Wüste keinesfalls menschenleer, sondern ständiger Reiseverkehr durchquerte diesen lebensfeindlichen Raum. Warum war dies der Fall? Einerseits mussten die lukrativen Waren des Indienhandels vom Roten Meer an den Nil transportiert werden – ein Millionengeschäft!

Andererseits befanden sich in den bergigen Regionen der östlichen Wüste bedeutsame Steinbrüche, die die Kaiser für prestigeträchtige staatliche Großprojekte, insbesondere in der Stadt Rom (z. B. das Pantheon), ausschlachten ließen. Der stete Reiseverkehr durch die Wüste wurde durch infrastrukturelle Maßnahmen ermöglicht, vielerorts wurden Siedlungen, sog. praesidia, angelegt, um durch Zisternen und Brunnen eine Wasserversorgung zu ermöglichen. Karawanen durchzogen die Wüste, beförderten Nahrungsmittel und Personen sowie auf dem Rückweg ins Niltal die Handelsgüter aus dem Osten. Militärische Einheiten wurden in den Siedlungen stationiert, um diese sowie die Karawanen vor nomadischen Gruppen zu schützen, die sich dem staatlichen Zugriff entzogen.

Die Beiträge in diesem Band untersuchen die wirtschaftliche Situation in der Wüste und die Bedeutung des Indienhandels, geben Einblicke in das Leben und die Aufgaben von Soldaten in der Wüste, behandeln die Schicksale von Frauen, die in den Wüstensiedlungen zur Prostitution gezwungen wurden, untersuchen die infrastrukturellen Maßnahmen in der Wasserversorgung sowie der Organisation der Steinbrüche am Mons Claudianus oder führen exemplarisch vor Augen, wie Einzelentscheidungen des Kaisers in die Wüste kommuniziert wurden. Quellengrundlage hierfür sind die griechisch und lateinisch beschriebenen Ostraka, die in Siedlungen wie Berenike, Didymoi, Krokodilo oder am Mons Claudianus als archäologische Funde entdeckt wurden. Sie liefern unmittelbare faszinierende Einblicke in das Leben der Menschen in der Wüste.

Inhalt

Christoph Schäfer: Geleitwort zur studentischen Ausstellung »Geschichte auf Scherben. Das Leben in der östlichen Wüste Ägyptens in römischer Zeit«, 7. – Patrick Reinard: Vorwort und Einleitung, 9. – Marius Hafke: Die römische Wasserversorgung in der östlichen Wüste. Ein staatliches Unterfangen?, 15. – Julian Kaltwasser: Die Wachen der Wüste: Zur Rolle des römischen Militärs in ausgewählten Ostraka aus der östlichen Wüste Ägyptens, 31. – Peter Johann: Der kaiserzeitliche Indienhandel in literarischen Quellen und den Ostraka aus Berenike, 51. – Peter Meis: Einblicke in die Steinbrüche am Mons Claudianus anhand von Ostraka-Funden, 75. – Julian Heinz: Preisangaben, Lebensmittel und Tiere in den Ostraka der östlichen Wüste, 89. – Alessia Tabone: Frauen und Prostitution in den Ostraka aus der östlichen Wüste Ägyptens, 107. – Patrick Reinard: Maximinus Thrax und die Erhebung des C. Iulius Verus Maximus zum Caesar – O.Did. 29 und seine historische Einordnung, 121. – Quellenanhang (Ostraka, Papyri, Inschriften), 149. – Editionen von Ostraka und Inschriften, 205. – Literaturverzeichnis, 206. – Register, 223.

Der Herausgeber

Patrick Reinard, in Marburg promoviert, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Trier.

Besprechungen

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Daten

  • Erscheinungsdatum: 15.08.2020
  • ISBN: 978-3-940598-47-9
  • Umfang: 244 S., Broschur mit Fadenheftung
  • Preis: 20 € inkl. Ust.; Versand innerhalb von D kostenfrei, ins Ausland zzgl. Porto

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